Endreinigung

„Wirst du mit ’nem Hut wandern gehen?“, fragte mich gestern Abend meine Mitbewohnerin. „Warum? Hut ist wieder out.“ „Hut ist nicht out.“ „Doch, bei mir schon. Passt nicht zu meinem neuen sportlichen Image.“ „Schade.“ „Warum schade?“ „Weil der Hut auf deinem Kopf mir im Urlaub immer signalisiert, dass Urlaubsseppo ™ zurück ist.“ Urlaubsseppo ™. Meine […]

über Endreinigung —

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Verschlusssache

Muss man sein Gefühlsleben öffentlich machen? Nein, mit Sicherheit nicht! Aber man kann. Die meisten Menschen, denen ich begegne, haben ihre Gefühle tief in sich vergraben, unterdrücken sie gar, geben ihnen keinen Raum. Oft gestehen sie sich nicht einmal selbst ihre Gefühle ein, weil sie sie für unangemessen oder unangebracht halten. „Reiß dich zusammen!“ „So schlimm ist das alles nicht!“ „Stell dich nicht so an!“ oder auch „Das ist privat und geht niemanden etwas an!“ sind die Credos, nach denen gehandelt wird. „Ich will niemanden mit meinen Problemen belästigen.“ ist eine weitere Ursache dafür.

In meiner Familie sprechen wir nicht über unsere Gefühle, vor allem nicht über die negativen. Innen drin herrscht Chaos, Depression, Traurigkeit, Enttäuschung oder was auch immer, aber nach außen kommt das nicht. Einer meiner Brüder hat mir gegenüber einmal geäußert, er finde es so schade, dass unser Umgang von Unsesibilität und Oberflächlichkeit geprägt sei. Als ich mich ihm jedoch einmal öffnete, ihm von einem großen Glücksgefühl und Hoffnung erzählte, bekam ich eine ebenso unsensible Antwort in Form eines dummen Spruchs zurück. Selbst, als ich ihn auf die Diskrepanz zwischen seiner Aussage und seinem Handeln aufmerksam machte, blieb er bei seinem Verhalten. Das hat mein Glück erstmal getrübt. Aus solchen Reaktionen lernt man, lieber alles unter Verschluss zu halten und mit sich selber abzumachen.

Meine Mutter hat, als ich zu bloggen begann, zu meinem jüngsten Bruder gesagt, ihr sei das zu anstrengend, was ich da schreibe. Das hat er mir erzählt. Und alles in mir schrie nur: „Mama! Es ist dir zu anstrengend, dich mit dem Innenleben deiner Tochter auseinander zu setzen??“

Eine Freundin von mir begegnet immer allen Menschen freundlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Als wäre sie der glücklichste Mensch der Welt. Ich weiß, dass das nicht so ist. Ab und zu scheint etwas durch von dem, was wirklich in ihr vorgeht. Aber sofort stopft sie das Leck und behält alles in sich drin. Meine Strategie war immer, auf alles und jeden loszugehen, der mir zu nahe kam. Ich habe meine Festung verteidigt bis aufs Blut.

Man spricht oft davon, eine Mauer zu errichten, um nicht verletzt zu werden. Leider funktioniert das nicht, denn die doofen Gefühle können höher springen und besser klettern als die guten, so dass irgendwann keine guten Gefühle mehr an einen herankommen, aber die doofen sehr wohl noch vorhanden sind. Ähnlich ist es mit dem Ertränken von Problemen in Alkohol. Als erstes ertrinken die guten Sachen, die Probleme können unglaublich gut schwimmen.

Ich bin immer noch weit davon entfernt, offen mit meiner Familie über meine Gefühle reden zu können, wenn es auch schon besser geht als früher. Aber ich habe es immerhin schon geschafft, mir selber über das, was da in mir vorgeht etwas klarer zu werden, es zuzulassen und mich damit auseinander zu setzen.

Muss man sein Gefühlsleben öffentlich machen? Nein, mit Sicherheit nicht! Aber ich möchte das tun. Es ist für mich ein erster Schritt, irgendwann vielleicht auch mal mit meinen Lieben über meine wahren Gefühle offen reden zu können.

Des Pudels Kern

Mein Mann und ich haben vor fünf Jahren eine Paartherapie gemacht, in deren Rahmen mir das Hörbuch „Das weise Herz“ von Jack Kornfield empfohlen wurde. Ich habe dieses Buch inzwischen bestimmt 20-30mal gehört und es hat mir eine Tür geöffnet. Fortan habe ich mich sehr viel mit Achtsamkeit und Buddhismus beschäftigt, habe gelernt loszulassen und neue Wege zu beschreiten. Vor zwei Jahren dann haben mein Mann und ich uns voneinander getrennt. Ungefähr zur selben Zeit habe ich eine sehr liebe Freundin gefunden, die ebenfalls den Weg des Erwachens beschreitet und wir unterstützen uns gegenseitig bei der Auflösung innerer Probleme und Konflikte. Ich habe inzwischen eine Yogalehrerausbildung begonnen und auch von dort bekomme ich viele wertvolle Hinweise und Einblicke.

Der Grund für unsere Paartherapie damals war, dass ich eine Affäre mit einem anderen Mann hatte. Diese Affäre habe ich erst Ende 2015 beendet, dann im März 2016 wieder aufgenommen und schließlich endgültig im August 2016 beendet. Dieses Ereignis war für mich wesentlich einschneidender als die Trennung von meinem Mann. Es hat mich viel gekostet, darüber hinweg zu kommen und ich bin mir manchmal immer noch nicht sicher, ob ich damit schon ganz durch bin. Jedenfalls habe ich vor etwa einem halben Jahr begonnen, mich wieder mit Männern zu treffen. Bzw. mir überlegt, dass ich so langsam so weit sein könnte. Noch nie in meinem Leben, seit ich 16 war, bin ich so lange Single gewesen, aber es war eine sehr bewusste Entscheidung, denn ich wollte mich endlich einmal selber finden. Bisher habe ich mich ja immer nur über meine Beziehungen definiert.

Nun ist mir aber aufgefallen, dass ich oft „im letzten Moment“ einen Rückzieher mache. Quasi immer, bevor es ernst werden könnte. Ich habe einige lockere Affären gehabt, das funktioniert emotional ganz gut. Es ist einer dabei, mit dem ich mich mehr oder weniger regelmäßig seit März/April zum Sex verabrede. Aber ich bin wohl der dümmste Single der Welt, mir einen Liebhaber auszusuchen, der nicht einmal meine körperlichen Bedürfnisse wirklich richtig befriedigen kann. Andererseits bin ich bei ihm auf der sicheren Seite, brauche nicht zu befürchten, dass ich mich in ihn oder er sich in mich verliebt. Erstaunlicherweise schaffe ich es aber nicht einmal in dieser, nur auf Zweckerfüllung angelegten Beziehung, meine sexuellen Wünsche zu benennen oder für deren Erfüllung zu sorgen.

Dann habe ich vor ein paar Wochen durch einen Freund jemanden kennen gelernt, mit dem ich mich, da ich in Schottland im Urlaub war, zunächst nur per whatsapp unterhalten habe. Und diese Gespräche waren so toll! Auch dieser Mann ist ein Erwachter und versteht. Ich war soweit, dass ich glaubte, ich könne mich vielleicht mal wieder verlieben. Nach zwei Wochen intensiver Gespräche haben wir uns bei ihm zuhause getroffen. Es war nett. Leider nicht mehr. Auf dem Weg nach hause überlegte ich, wie ich ihm das beibringe. Denn ich wollte durchaus mit ihm befreundet sein, aber für mehr reichte es einfach nicht. Tja, was soll ich sagen. Als ich zuhause auf mein Handy schaute, hatte er mir den Job schon abgenommen, denn ihm war es wohl genauso gegangen. Was dann allerdings in mir passierte… Ich war zurückgewiesen worden. Und das verletzte mich. Spornte mich gleichzeitig an, um seine Aufmerksamkeit zu kämpfen. Ich merkte sofort, dass da was nicht richtig läuft, war mir der Dinge sehr bewusst, die da passierten. Allerdings habe ich noch nicht herausgefunden, woran das liegen mag, was dieses Verhalten bei mir auslöst. Ich habe viel mit meiner Freundin darüber gesprochen, aber bislang bin ich noch zu keiner richtigen Lösung gelangt. Ich weiß, was der Auslöser dafür war. Warum ich aber dieses Verhaltensmuster an den Tag lege und woher es kommt, liegt für mich noch im Verborgenen.

Ich habe das Gefühl, dass ich von außen nach innen meine (mir fehlt gerade ein passendes deutsches Wort) issues abgeschält habe und jetzt an einer Schale angekommen bin, die ich nicht knacken kann. Ich habe mit viel Achtsamkeit und Übung gelernt, mir nicht immer meine Bestätigung von außen zu holen, mich nicht mehr so darauf zu fixieren. Ich habe gelernt, Dinge geschehen zu lassen, nicht immer alles kontrollieren zu wollen. Insgesamt bin ich wesentlich gelassener geworden. Sicherlich gibt es immer mal wieder Rückfälle. Besonders schwierig finde ich den Umgang mit Familie und engen Freunden, denen die Veränderung an mir durchaus auffällt, die aber dennoch oft nicht sehen, dass ich nicht mehr in den alten Mustern agiere oder ich falle tatsächlich in die alten Muster zurück, weil einfach 45 Jahre Sozialisiation ihr Werk getan haben. Das streift man nicht einfach so ab. Aber ich arbeite daran und komme da auch gut voran.

Ich möchte aber eben auch in der anderen Sache weiter kommen. Aber ich verstehe mein Verhalten da oft gar nicht. Es ist wie verhext. Ich stoße oftmals diejenigen zurück, die mich lieben, hechele aber wie ein Hündchen denen hinterher, die offenbar gar kein Interesse an mir haben. Ich weiß, dass ich mit Sex Männer „kriegen“ kann und manchmal kann ich sie auch dadurch an mich binden. Aber was eine echte Beziehung angeht, da weiß ich gar nicht, was jemand an mir toll finden sollte. Ich bin vor kurzem das Wagnis eingegangen, mich in aller Stille und Kontemplation hinzulegen und mir selber Zuneigung zu schenken. Das löste einen solchen Aufruhr in mir aus, dass ich das Experiment schnell wieder abgebrochen habe. Ich werde das noch einmal versuchen, aber das wird viel Mut erfordern.

Anmerkung der Redaktion: Ich habe nach der Erstveröffentlichung dieses Textes von zwei Menschen Reaktionen bekommen, die mich bewogen haben, diesen Text wieder offline zu nehmen. Einer davon war eine eher sachliche Manöverkritik, in der es darum ging, ob es unbedingt nötig sei, sein Innenleben so in die Öffentlichkeit zu tragen. Dazu möchte ich hier noch einmal wiederholen, was ich auch ihm dazu gesagt habe:

[…Das] öffentliche Schreiben ist nicht die Lösung [des Problems]. Das Schreiben an sich hilft mir allerdings, meine Gedanken zu sortieren. Natürlich könnte ich auch einfach nur ein Tagebuch führen. Die Öffentlichkeit meines Schreibens hat einen anderen Grund und weder etwas mit Wohlstandsgehabe, Jammern auf hohem Niveau noch mit Geltungsbedürfnis zu tun. Ich bin allerdings immer dankbar, wenn ich auf Texte und Beiträge stoße, die mir zeigen, dass ich nicht allein bin, dass ich nicht der einzige Idiot auf der Welt bin, der an scheinbar kleinen Hindernissen im Leben oder auf dem Weg zur Erleuchtung scheitert. Ich gehe davon aus, dass es auch anderen Menschen so geht und sie sich vielleicht auch nicht mehr so idiotisch fühlen, wenn sie sehen, dass auch andere Menschen ihre Probleme haben. Rein altruistische Motive habe ich nicht, hege aber auch keine Ambitionen auf den Pulitzerpreis oder erwarte von irgendjemandem das große Heititei. Ich will nicht erwachen oder erleuchtet werden, um davon zu erzählen. Für mich ist es ein Weg zu innerem Frieden und damit auch ein Beitrag zum Weltfrieden. Wer ihn mit mir gehen will, ist herzlich willkommen. Wer lieber im verschlossenen Kämmerlein bleiben will, bitte! „Without a sangha you lose your practice very soon.“, sagte schon Tich Nhat Hanh. Ich suche die Gemeinschaft. […] Bei meinem Blog darf jeder mitnehmen, was er mag, Was er nicht mag, darf er auch gerne dort lassen.

Die andere Reaktion war sehr verletzend und hat mich tief getroffen, ich werde hier nicht weiter darauf eingehen. Aber nach gründlicher Überprüfung meiner Motive habe ich beschlossen, den Text wieder online zu stellen. Love it or leave it.

Yogastunde

Auf dem Rasen vor meinem Cottage in Schottland lag ich eben auf meiner Yogamatte und blickte gen Himmel. Rotwild galoppierte unmittelbar neben mir vorbei, ein Hirsch jagte eine Kuh vor sich her.

Wolkenfetzen zogen über mich hinweg. Ein Pterodactylus erschien, öffnete sein riesiges, schnabelartiges Maul und ich erwartete, seinen gewaltigen Schrei zu vernehmen. Doch schon war er transformiert worden zu einem Spice-Wurm, der sich mit weit geöffneten Kiefern gleichsam vom Himmel auf mich herabstürzte. Er kam so nah, dass ich in seinem Atem das Spice riechen konnte. Ein plötzlich auftauchender Adler verscheuchte das Bild und übrig blieb ein Banshee, die Flügel entspannt ausgebreitet. Doch man darf sich von diesen Wesen nicht täuschen lassen! Mögen sie in der Silhouette auch wie Schutzengel erscheinen, so sind sie stets bereit, einem die messerscharfen Krallen in den Leib zu schlagen. Man sagt, der Schrei eines Banshee sei das letzte, was man in diesem Leben hört.

 

Political Correctness

flederzombie©

Ich esse Negerküsse, weil
sie mich an meine Kindheit erinnern.

Ich höre Zigeunermusik, weil
ich sie liebe –
Django Reinhardt
vor allem.

Ich will keine Schaumküsse der Langeweile.

Es ist immer dasselbe mit den Menschen:
Sie suchen nicht den Kern,
sie kratzen an der Schale.

Und die Mordlust kommt von
Filmen & Videospielen?

Natürlich,
Ihr Langweiler.
Was denn sonst?

Ich habe in meiner Kindheit noch mit
Ausländern gespielt.

Diskriminierung ist
meinem Denken & Fühlen so fremd,
dass ich sie in
einzelnen Worten
meist
nicht erkennen kann.

Ich sehe Splatterfilme &
fühle mich schlecht, wenn ich
versehentlich
jemandem auf den Fuß trete.

ICH SEHE MENSCHEN!
NICHT DIE WORTE,
DIE SIE ZU BESCHREIBEN VERSUCHEN!

Ich mache Witze über
Krankheiten & Tod.
Auch das tut man nicht.
Die Witze sprießen aus dem Boden
der Angst & des Entsetzens –
gedüngt mit Erfahrung.

Nehmt endlich Eure
Politische Korrektheit
– sie ist rein…

Ursprünglichen Post anzeigen 40 weitere Wörter

Reich mir die Hand

In letzter Zeit begegnen mir immer mehr Leute, die um vergangene Zeiten und das, was uns verloren gegangen ist, trauern. Es zurückzuholen liegt allein in unserer Macht. Zumindest bei den meisten Dingen. Darüber zu klagen hat noch nie einen positiven Effekt gehabt. Jeder einzelne kann dazu beitragen, die Gesellschaft und die Welt, in der wir leben, lebenswert zu gestalten. Nicht, indem wir uns über die Umstände beklagen, sondern indem wir die Umstände da, wo es uns nötig erscheint und möglich ist, verändern und in allen anderen Fällen uns in Gleichmut üben.

Jede Generation beklagt den Untergang einer Kultur, die scheinbar mit der neuen Generation einhergeht. Schon Sokrates rechnete mit dem sicheren Ende der Sitten, wenn nicht gar mit dem Untergang des Abendlandes, als er sagte: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die neue Generation ihre Welt ebenso gestaltet, wie wir es vor ihr getan haben. Ich bin in den 80er Jahren aufgewachsen, die Zeit der Null-Bock-Generation. Wir haben uns nicht selber so genannt! Wir wurden so von der vorherigen, der sogenannten 68er Generation genannt, welche viel bewegt und rebelliert hat, während wir uns dann an den Früchten dessen laben konnten, was sie erreicht hatten. Aus deren Sicht waren wir ein unmotivierter Haufen langweiliger Angepasster. Aber es gab ja nun einmal auch nichts mehr zu demonstrieren, nichts mehr, gegen das man sich auflehnen musste. Dank der vorangegangenen Generation ging es uns doch endlich so gut, wie diese es sich sicherlich für ihre Kinder gewünscht hatte!

Die Welt dreht sich weiter, neue Entwicklungen und Ideen tauchen auf, eine neue Art, sein Leben zu leben entsteht. Anstatt um Vergangenes zu trauern, gehe ich freudig und zuversichtlich in die Zukunft. Wer kommt mit?

Wahre und weise Worte zur Homoehe

(Bildquelle: Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F088809-0038 / Thurn, Joachim F. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5473698) Mit Carsten Flöter hat es angefangen: 1990 küsste mit ihm das erste Mal ein Mann einen Mann im deutschen Fernsehen. 1990! So lange hat es gebraucht! Sogar der Zusammenbruch des Kommunismus fand früher statt! Und strenggenommen haben sich […]

über Hercules, Sägemann und die Homoehe —

Subtila und Grobi

Es ist jetzt ein Monat vergangen, seitdem ich begonnen habe, mich mit meiner Wut auseinanderzusetzen. Und, was soll ich sagen? Innerhalb von einer Woche waren meine unerträglichen Rückenschmerzen komplett weg. Grundsätzlich bin ich durchaus offen für das Konzept der psychosomatischen Beschwerden, jedoch beschränkte sich bisher meine Vorstellung darüber auf solche Dinge wie stressbedingte Magen- oder Kopfschmerzen. Eingeklemmte Nerven, Bandscheibenvorfälle oder ähnliches sind meiner Ansicht nach mechanische Probleme, die keinesfalls mit seelischen Belastungen zu tun haben können. So denkte ich bisher. Das Leben hat mich eines besseren belehrt. Früher hätte ich bezüglich oben erwähnten Vorfalls einfach nur an einen Zufall geglaubt. Ich hätte keinesfalls einen Zusammenhang hergestellt. So wie ich ja auch keinen Zusammenhang zwischen dem Müllabfuhrtermin und der Farbe meiner Badezimmermöbel herstellen würde. Achtsamkeit hat mich allerdings gelehrt, solche Dinge zu bemerken.

Kürzlich las ich im Rahmen meiner Yogalehrerausbildung ein Buch mit dem Titel „Die Essenz der Upanishaden – Was passiert, wenn ich sterbe?“. Für mich war es eine Schatztruhe der Offenbarungen! Unter anderem spricht der Autor in diesem Buch auch von den beiden Körpern Subtila und Grobi. Wobei Subtila der feinstoffliche Körper ist, welcher Psyche, Seele und Geist repräsentiert und Grobi, der grobstoffliche Körper, unser physisches Erscheinungsbild darstellt. Wenn es nun Subtila nicht gut geht, fängt sie an, Grobi zu ärgern und Grobi bildet Symptome aus. Sei es ein harmloses Herzklopfen oder ein lebensbedrohliches Magenkarzinom. Zur Wahrung unserer körperlichen Gesundheit ist es daher wichtig, dass wir uns auch um unser geistiges und seelisches Wohl kümmern.

Von Zeit zu Zeit ermahne ich Subtila schon mal ganz bewusst, dass sie Grobi in Ruhe lassen soll. Wenn ich zum Beispiel Bauchschmerzen wegen einer bevorstehenden Situation oder Herzklopfen vor Nervosität bemerke. Anfangs funktionierte das nicht sofort, aber durch ständige Übung habe ich es schließlich geschafft, Subtila ein bisschen Erziehung angedeihen zu lassen.

Blau

Gestern war ich bei einer wunderbaren Yogastunde bei der wundervollen Heike. Schon alleine sich mit ihr in einem Raum aufzuhalten erfüllt einen mit Wärme und Liebe, so sehr strahlt sie von innen nach außen. Neulich hat sie uns ein Lied vorgesungen, wobei sie sich selbst auf der Gitarre begleitet hat. Ich lag auf meiner Matte und ein solch starkes Gefühl von Liebe und Glück wallte in mir auf, dass ich schier überlief und mir die Tränen in die Augen traten. So wundervoll ist Heike. In der gestrigen Yogastunde haben wir zu Beginn auf der Matte gelegen mit geschlossenen Augen und haben „etwas kraftvolles, energiegeladenes“ tief eingeatmet. Nach einer Weile forderte sie uns auf, diesem eine Farbe zu geben. Und schließlich sollten wir ihm auch noch eine Emotion zuschreiben, die uns dann ganz und gar ausfüllte. Meine Emotion war Glück und meine Farbe war Blau. Das helle, saubere Blau des Himmels direkt über dem Horizont. Das Blau, das schon fast in ein Weiß übergeht. Und ich atmetet das Blau ein und es erfüllte mich und ich fühlte Glück und mein Herz wurde ganz weit und ich lächelte.

Heute Morgen, als ich auf dem Weg zur Arbeit über die Hochebene mit den vielen Windrädern fuhr, blickte ich über die Felder und sah den tollen blauen Himmel und sofort war ich voll des Glücks und der Freude! Zunächst wusste ich gar nicht, woher das kam. Natürlich freue ich mich auch sonst über schönes Wetter und Sonnenschein, aber das war neu. Und auf einmal fiel mir unsere gestrige Atemübung ein und gedanklich umarmte und dankte ich Heike für diese tolle Erfahrung. Sie hat mir das Glückliche Blau geschenkt. So wie der Kleine Prinz dem Fuchs das Gelb der Weizenfelder geschenkt hat.